Kamera Auswahl für Livestreaming und Aufzeichnungen

Es kommt jede beliebige Kamera für Live-Streaming in Frage. Die Kamera muss das Videobild und den Ton lediglich während der Aufnahme bereits ausgeben können (bspw. per HDMI).

Unsere Kunden verwenden eine sehr weite Auswahl von Kamera- und Übertragungstechnik. Vom Highend Studio-Equipment, über herkömmliche Camcorder (300 bis 2.000 Euro), professionelle Broadcast-Kameras mit oder ohne Videoregie und wieder andere verwenden nur eine Webcam oder Action-Cam. Je nach Einsatzzweck.

Grundlagen:

  • Alle großen Kamera-/Camcorder-Hersteller bieten gute Geräte an. Diese unterscheiden sich zwar in Funktionen und Leistung aus Sicht von Profis – wenn Sie aber gerade erst einsteigen bieten selbst die eher günstigen Geräte eine Qualität die vor vor wenigen Jahren in dieser Preisklasse noch nicht denkbar war.
  • Bei der Geräteauswahl von maximal günstigen Camcordern können Sie sich daran orientieren welche Anschlüsse Sie benötigen: z.B. für Live-Übertragungen einen HDMI Ausgang der das Bild- und Tonsignal während der Aufnahme in 1080p FullHD ausgibt. Ggf. auch per USB vergleichbar einer Webcam.
  • Im professionellen Umfeld wird meistens SDI statt HDMI verwendet (Kabel).
    SDI ist relevant wenn auf Veranstaltungen das Signal der Kamera(s) weite Strecken übertragen werden soll. Zudem ist die Qualität der Farbauflösung nochmal besser als per HDMI. Dies ist aber für einen Livestream normalerweise nicht relevant, da es hier nicht um feinste Bildinformationen für den Schnitt und die Videonachbearbeitung geht, sondern das Bild im Live-Encoder ohnehin stärker komprimiert werden muss.
  • Ausleuchtung, Bildrauschen, Stabilisator, Objektive...
    Für Aufnahmen in Räumen mit nicht optimaler Ausleuchtung kommen kleine Aufnahme-Chips in den Camcordern schnell an ihre Grenzen. Hier helfen Kameras mit Chip-Größen von 1 Zoll ("Vollformat") und führen zu deutlich weniger Bildrauschen. Hier kommen jedoch noch viele Faktoren wie die Blende, gewünschte oder unerwünschte Schärfentiefe, die eingebaute Bildstabilisierung, Empfindlichkeit des Sensors, die Stärken und Schwächen des verbrauten Autofocus, Objektivwahl bzw. der Zoom von fest verbauten Objektiven, usw. zum Tragen. (Wir können hier nur bedingt beraten, bei einem Thema zum dem Profis stundenlang Vor- und Nachteile aufzählen können.)
  • Sollten Sie sich für eine DSLR entscheiden (quasi eine gute Fotokamera mit Videofunktion), bedenken Sie das diese in fast allen Fällen nur Videoaufnahmen von 30 min am Stück erlauben. Dies hängt mit zollrechtlichen Bestimmungen zusammen. Camcorder können hingegen oft Stundenlang am Stück übertragen.
    Ausnahmen gibt es fast nur von Panasonic. Z.B. die FZ2000, GH5, GH5s. (Angeblich auch die Sony Alpha 7R III, dies konnten wir jedoch bisher nicht überprüfen.)
  • Zusätzlich benötigen Sie unbedingt ein Stativ. Für feste Blickwinkel ohne Kamerabewegung reicht ein sehr günstiges (20-50 Euro). Wenn Sie je nach Inhalt Ihrer Übertragung die Kamera während des Livestream bewegen/schwenken wollen, ohne das dies im Bild ruckt beim Anfahren (Anfang der Bewegung) und die Kamera an der Position an der Sie sie loslassen sich nicht nachträglich noch ein Stück zurück bewegt mit dem Bildausschnitt...etc, dann ist ein ölgelagerter Stativkopf sehr sinnvoll (gute Stative beginnen bei ca. 400 Euro).

Empfehlung von Livestream Kameras

  • Im Preisbereich bis ca. 750 Euro empfehlen wir den Camcorder Panasonic HC-VXF999.
  • Im Bereich von 1500 bis 3000 Euro sehr "angesagt" sind momentan beispielsweise die Panasonic GH5 oder von Sony die Alpha 6500 und Alpha 7s II (7s III).

  • Smartphones bieten ebenfalls hervorragende Möglichkeiten. Die Ausrichtung von einem Smartphone per Stativ auf eine Bühne, ein Rednerpult, für Schulungen oder dergleichen ist jedoch oft ein fragwürdiger Kompromiss.
    Ohne brauchbaren Zoom gibt der gewünschte Bildausschnitt den Standort der Kamera vor. Beispielsweise im Sichtfeld der übrigen Zuschauer direkt vor einer Bühne. Ein Smartphone hat in der Regel keine Möglichkeit den Ton von extern aufzunehmen und empfängt (Stör-) Geräusche aus dem gesamten Raum. Nur in speziellen Anwendungsfällen ist dies sinnvoll.

 

Live-Streaming per Smartphone

Wichtig: aus Sicht eines Streamingservers ist der verwendete Live-Encoder nicht relevant, solange in einem standardkonformen Protokoll übertragen wird (z.B. RTMP). Der Server unterscheidet gar nicht ob der Stream von einem PC mit Live-Encoding-Software, von einer Encoding-Hardware oder von einem Smartphone geschickt wird.

Konkret: Sie können gerne z.B. die App "GoCoder" für eine Übertragung per iOS oder Android verwenden!

GoCoder App für iOS:
https://itunes.apple.com/de/app/wowza-gocoder/id640338185?mt=8

GoCoder App für Android:
https://play.google.com/store/apps/details?id=com.wowza.gocoder&hl=de

 

Generell ist dies aber eine Notlösung.

Einerseits ist es ungemein praktisch und faszinierend:

  • Sie können jederzeit direkt live übertragen. Ohne erst etwas aufzubauen, zu planen, usw.
  • Die aktuellen Smartphones bieten eine fantastische Videoqualität und Lichtempfindlichkeit gemessen an den winzigen Objektiven...

Andererseits hat ein Smartphone deutliche Nachteile:

  • Beispielsweise hat ein Smartphone keinen oder zumindest nur einen sehr beschränkt nutzbaren Zoom. Der Bildausschnitt wird somit nicht über das Objektiv bzw. den Zoom bestimmt, sondern über die Entfernung der Kamera zum Ziel.
    Angenommen Sie übertragen einen Sprecher auf einer Bühne, würde die Kamera normalerweise hinter dem Publikum platziert werden. Hier muss das Smartphone aber vorne direkt vor oder sogar auf der Bühne verwendet werden, um den Sprecher in einem normalen Bildausschnitt abzubilden (Kopf inkl. Oberkörper). Auch ist eine Verwendung mit Stativ schwierig (dafür sind "Standycams" perfekt).
  • Audio lässt sich oft nicht per Mikro einführen und das Smartphone nimmt somit stark das Umfeld auf. Bei einer Veranstaltung hört man somit jeden unruhigen oder hustenden Teilnehmer - dafür den Sprecher nur undeutlich.
  • Nach unserer Erfahrung sind alle von uns getesteten Apps sowohl unter iOS als auch Android nicht produktionsstabil. Abstürze kommen gelegentlich vor.
    Und die Qualität in der ein aktuelles Top-Handy kodiert, ist im Vergleich zu einem "richtigen" Encoder nicht ausreichend. Wenn ein Video in HD mit 2000 kbit/s per OBS Encoder am PC "gut" aussieht, benötigt ein iPhone X bei gleicher HD-Auflösung mind. 5000 kbit/s und erreicht dennoch nicht die optische Qualität.

Hier müssen dann die Umgebungsumstände passen. Dann macht eine Übertragung per Smartphone teilweise Sinn - oder sollte unbedingt vermieden werden.

 

Alternative: Streaming- und IP-Kameras

Kameras mit eingebautem Encoder so dass diese selbstständig (ohne weitere Hardware oder Bedienung) live übertragen können. Häufig für Festinstallationen (Überwachung von Baustellen, Geschäften, etc.) oder die Übertragung von öffentlichen Plätzen, Urlaubsorte mit Stränden, Berg- und Skilandschaften, etc.
Siehe hier.