Internetleitung für Live-Streaming

Benötigte und real vorhandene Geschwindigkeiten

Damit Ihr Video in guter Qualität bei den Zuschauern angezeigt werden kann, muss der Videostream einmalig durch das Nadelöhr Ihrer Internetverbindung "ins Internet" zum Streamingserver übertragen werden. Hierfür ist die UPLOAD-Geschwindigkeit von Ihrer Verbindung relevant (nicht die Download-Geschwindigkeit).

Es ist unbedingt darauf zu achten, dass der verwendete Internet-Anschluss auch wirklich über die Geschwindigkeit verfügt die erwartet wird. Nur weil der Vertrag "DSL 16000" oder "VDSL" heißt, ist die reale Upload-Datenrate noch lange nicht so hoch wie im Prospekt versprochen. Selbst bei SDSL-Leitungen und Kabel-Anschlüssen weicht die reale Datenrate oftmals (teilweise auch Stundenweise) von der im Vertrag angegebenen Leistung ab.

Sie können die Upload-Geschwindigkeit z.B über diese Webseiten testen: http://www.speedtest.net und http://speedtest.t-online.de

 

Dabei ist der Test von der Telekom besonders hilfreich, da man hier während der Durchführung beobachten kann wie gleichmäßig der Down- und Upload erfolgt.
Beispiel aus der Praxis: der Download ist recht konstant, der Upload schwankt aber während der Messung zwischen 6 und 16 MBit. Da interessiert für Streaming nicht der Gesamtdurchschnitt von 9 Mbit/s als Ergebnis, sondern der bei den Schwankungen sichtbare tiefste Wert von ca. 6 Mbit/s.

Dann ist noch der "IP-Overhead" wichtig. Zusätzlich zu den reinen Streamdaten die im Live-Encoder kodiert und gesendet werden, verbraucht gleichzeitig auch das Protokoll Daten für sich selber. D.h. Anweisungen welche Datenpakete jetzt kommen, die Reihenfolge, Prüfsummen, Rückmeldung das ein Paket nicht korrekt angekommen ist und erneut übertragen werden muss, etc. In der nächsten Protokollschicht kommt das selbe für die darunter liegende TCP/IP Schicht noch einmal: Daten für Paketbeschreibungen, Prüfsummen, Rückmeldung über nochmal zu übertragende Pakete, etc.
Für dieses IP-Overhead zieht man ca. 20% der Datenrate ab. Wenn der Anschluss im Gesamtschnitt 9 MBit/s aber zeitweise nur 6 MBit/s hochladen kann, dann stehen gesichert 6 Mbit/s minus 20% =  4,8 MBit/s als Datenrate für den Videostream (inkl. Audio) zur Verfügung. Diese 4800 kbit/s werden im Live-Encoder eingetragen.

Zusätzlich zu bedenken:
- eine Verbindung per WLAN sollte für Streaming vermieden werden, wenn sich während der Übertragung viele Personen (=Handys) in der Umgebung befinden.

- Sind weitere Geräte mit dem selben Internetanschluss verbunden? Es wäre möglicherweise äußerst ungünstig für Ihre Upload-Datenrate, wenn parallel jemand im gleichen Netzwerk das Internet verwendet oder Geräte z.B. unbemerkt im Hintergrund das nächste Windows- oder Virenkiller-Update herunterladen.
- Manche Leitungen schwanken erheblich. Dann haben Sie während einer Live-Übertragung plötzlich die doppelte oder nur noch die Hälfte der zuvor gemessenen Geschwindigkeit. Wenn dies zu erwarten ist, sollte die Streamdatenrate vorsorglich mit einem hohen Sicherheitspuffer angesetzt werden.
- Die Qualität einer Mobilverbindung (z.B. 4 von 5 Punkten oben links auf dem Handybildschirm) beschreibt die Verbindung zwischen dem Gerät und dem Mobilfunkmasten. Wichtig ist, das dies nichts darüber aussagt wie schnell dieser Masten mit dem Internet verbunden ist. Beispiel: Sie befinden sich auf einem Messegelände, in einer Kongresshalle oder in der Nähe eines Stadions. Die Verbindung von Ihrem Handy oder LTE-Router zum Masten ist perfekt. Da aber hunderte von Menschen (=Handys) in Ihrer Umgebung ebenfalls diesen Masten verwenden, ist dieser vielleicht überlastet und kann trotz guter Verbindung nur sehr wenig Daten übertragen.

 

Livestream-Datenraten

Wie viel Daten Ihr Stream benötigt hängt von zwei Faktoren ab: der eingestellten Auflösung und dem Bildinhalt von Ihrer Übertragung.

  • Auflösung
    Eine 1080p "FullHD" Auflösung verwendet 1920x1080 Pixel. Also ca. 2 Millionen Pixel.
    Ein 720p Stream (1280x720px) hat nur ca. 1 Millionen Pixel.
    Ein 360p Stream (640x360px) hat nur 0,26 Millionen Pixel.
    Um diese Pixel mit guter Bildqualität und Schärfe auch bei Bewegungen deutlich darzustellen, wird eine immer höhere Datenrate benötigt, je höher die Auflösung gewählt wird.
  • Bildinhalt
    Wenig bewegte Inhalte wie ein Redner vor ruhigem Hintergrund benötigen für eine gute Bildqualität deutlich weniger Datenrate als ein stark bewegter Inhalt (Fußballübertragung, eine Bühnenshow, Übertragungen aus einem fahrenden Auto, ...).
    Äußerst datenintensiv sind auch feine Details im Bild die sich möglicherweise sogar bewegen (Wasser mit Wellen, ein Baum mit sich bewegenden Blättern, ...).

Je nach Auflösung und Bildinhalt benötigt ein Stream für die selbe visuelle Qualität eine unterschiedliche Datenrate.


Grobe Anhaltspunkte für die Datenrate:

a) Für eine mittelmäßige Videoqualität mit einer 360p Auflösung wird eine Upload-Datenrate von ca. 500 kbit/s (0,5 MBit pro Sekunde) benötigt. 

b) Mit einer Upload-Datenrate von 1000 kbit/s (1 MBit/s) erreichen Sie bereits eine recht gute Bildqualität für 360p. Für Vorträge ist hiermit ggf. sogar 720p HD möglich.

c) Livestreams mit schnellen Bildinhalten und dabei wichtigen kleinen Details (der Ball muss in einem Fußballspiel jederzeit gut zu erkennen sein) sollten bei dieser Upload-Datenrate ggf. mit einer Auflösung von 360p übertragen werden.

d) Zwischen 2000 und 3000 kbit/s (2-3 MBit/s) können Sie auch schnellere Inhalte in HD 720p übertragen. Ideal wären hier Datenrate über 3000 kbit/s.

e) Für FullHD 1080p sollten für Vorträge mind. 2000 kbit/s und für schnelle Bildinhalte mind. 5000 kbit/s zur Verfügung stehen.

 

Allgemeiner Tipp: wir raten generell davon ab bei Live-Inhalten Datenraten höher als 6000 kbit/s (6 MBit/s) zu verwenden – und wenn doch, sollten weitere kleinere Streamauflösungen mit geringerer Datenrate parallel bereitgestellt werden.
Bitte bedenken Sie, dass die Daten bei den Zuschauern sehr schnell und ohne langes Zwischenspeichern ankommen müssen. Während ein Dateistream hier ohne weiteres Daten länger vorladen kann, ist dies bei Livestreams eher hinderlich. Es kommt dann schnell zu Nachlade-Unterbrechungen, selbst wenn der Zuschauer eine schnelle Leitung verwendet.  

DSL-Anschlüsse und die typischen Datenraten

Typischerweise lädt ein DSL-Anschluss Daten viel schneller herunter als das er diese senden kann (Download schneller als Upload). Zudem ist ein DSL-Anschluss oftmals nicht exakt so schnell wie es der Vertragname suggeriert.

Typische Geschwindigkeiten

DSL-6000
6 MBit/s Download, 500 kbit/s Upload

DSL-16000
16 MBit/s Download, 1000 kbit/s Upload

VDSL-25000
25 MBit/s Download, 1500 bis 2500 kbit/s Upload

VDSL-50000
50 MBit/s Download, 10 MBit/s Upload

VDSL-100000
100 MBit/s Download, 40 MBit/s Upload

Mobile Übertragung

Die Übertragung bzw. die Datenraten per 3G / UMTS oder LTE ist heute sehr gut! Bei gutem Empfang am Übertragungsstandort leistet UMTS oftmals eine sehr gute Uploadrate von über 1000 kbit/s. LTE nochmals deutlich mehr. (Zu empfehlen sind laut unserer Erfahrung die Deutsche Telekom und Vodafone als Anbieter.)

Sie sollten jedoch beachten, dass die Verbindungskapazität a) vom jeweiligen Standort abhängt und b) sich ggf. verringert wenn viele Nutzer mit ihren Smartphones in der näheren Umgebung ebenfalls die Funkzelle verwenden. Beispielsweise in einem Stadion oder auf einem Messegelände. Denn es ist in diesem Fall nicht nur die Übertragungsgeschwindigkeit vom Mobilgerät bis zum Funkmast entscheidend, sondern bei Örtlichkeiten mit sehr vielen Nutzern entscheidet auch die Anbindung des Funkmast - mit welcher Geschwindigkeit dieser ans Internet angebunden ist.

Sie können die Upload-Geschwindigkeit mit Apps auf Ihrem Mobiltelefon testen. Eine App wäre z.B. "Speedtest" (für iOS, für Android). Verwenden Sie einen UMTS/LTE-Router mit Zugriff über einen PC, können Sie diese Webseite zum Testen verwenden: http://www.speedtest.net/

Satelliten-Übertragung

Mittlerweile sind auch Satelliten-Verbindungen erschwinglich geworden. Manche Anbieter bieten z.B. einen Upload von über 5.000 kbit/s von fast jedem Punk in Europa als Flatrate für etwa 90 Euro monatlich an. Benötigt wird nur eine ausgerichtete Satellitenschüssel mit Sat-Modem (300 Euro). Wir können hierfür www.tooway.de empfehlen.

Zu beachten ist:
a) Bei manchen Anbietern kann gegen eine Gebühr eine garantierte Leitungsgeschwindigkeit gebucht werden. Bei anderen teilen sich alle gerade aktiven Nutzer (über den Satellit) die verfügbare Gesamtkapazität.
b) Bei starkem Regen oder Schneefall wird die Verbindung beeinträchtigt sein oder ganz abbrechen. 
c) Falls Sie die Satelliten-Schüssel mobil mitführen und am Übertragungsort aufstellen möchten, muss von diesem Ort aus in eine festgelegte Himmelsrichtung die Sicht frei sein. Hier dürfen dann weder Gebäude noch Bäume stehen.

Wenn ein höheres Budget zur Verfügung steht ist ein angemieteter Satelliten-Wagen eine Option. Hier wird mit gebuchten Kapazitäten, deutlich höheren Datenraten und höherer Sendeleistung gearbeitet und somit Punkt a) und b) ausgeglichen.