Grundlagen für Live-Streaming

Hier starten: in 3 einfachen Schritten

Der Standardablauf von Live-Streaming:

  1. Sie verfügen über ein Bild- und Audiosignal. Entweder von einer einzelnen Kamera, von einem Mischpult/Bildmischer oder aus sonstiger Quelle.
    - ca. 85% unserer Kunden übertragen ihr Bild- und Audiosignal über eine Live-Encoder Software (Windows, Mac, Linux).
     Der Live-Stream wird von dieser Software erzeugt und an den Streamingserver übertragen.
    - ca. 13% unserer Kunden verarbeiten das Bild- und Audiosignal in einem Hardware-Encoder. Dieser Encoder erzeugt den Stream und sendet ihn an den Streamingserver.
    - ca. 2% unserer Kunden verwenden IP-Kameras. Diese erzeugen den Live-Stream selbstständig (eingebauter Encoder) und stellen diesen für den Abruf vom Streamingserver zur Verfügung. 
    Siehe hier.
  2. Der gebuchte Streamingserver empfängt den Stream und stellt diesen ihren Zuschauern zur Verfügung.
  3. Auf Ihrer Internetseite wird der Player eingefügt und der Live-Stream wird für die Besucher Ihrer Webseite live abgespielt. 

 

Kamera-Anschluss an einen PC (Win, Mac, Linux)

Bild- und Audiosignale werden heute meistens per HDMI oder SDI übertragen. (SDI bietet höhere unkomprimierte Qualität und kommt im professionellen Bereich zum Einsatz).

Wichtig ist die Frage: wie kommt das HDMI oder SDI Signal in den PC? Ein PC hat zwar einen Ausgang für den Monitor (HDMI, DVI, DP, ...), aber keinen Eingang für Videosignale hierfür.

  • Viele unserer Kunden nutzen Geräte von "Black Magic"
    • Intensity Pro - HDMI Inputkarte (ca. 180 Euro)
    • Intensity Shuttle - Externe Inputbox für HDMI-, S-Video-, Composite-, Audio-Eingänge (USB 3.0 Version Amazon Link, Thunderbolt Version Amazon Link, ca. 200 Euro)
    • Informationen vom Hersteller
    • Nach unserer Erfahrung ist die Qualität sehr gut. Jedoch ist die Handhabung etwas umständlich, da die Auflösung, Framerate, Farbprofil, etc. von der angeschlossenen Kamera erst am PC eingestellt werden muss.
  • Elgato ist mittlerweile einer der am weitesten verbreiteten Video-Input Hersteller. Er hat sich darauf spezialisiert schnelle Input-Grafik von Spielkonsolen in einen PC für Livestreaming zu übertragen. Dies ist auch für andere Videoinhalte nicht von Nachteil, da die Geräte über eine gute technische Basis verfügen.
    Wir empfehlen für Windows + Mac den "Elgato Game Capture HD60 S" (ca. 100 Euro netto) für HD-Kameras
    und den "
    Elgato Game Capture 4K60 Pro" für 4K Kameras. Die 4K Lösung gibt es aufgrund der benötigten Bandbreite und Rechenpower nur als Steckkarte (Windows). 
  • Hauppauge stellt mit dem "StreamEez-Pro" eine interessante Mischung aus PC-Anschluss und eigenständigem Hardware-Encoder bereit. Ein PC ist für den Betrieb notwendig – dennoch werden die Encoding-Berechnungen von der externen Box übernommen.
    • Eingang: HDMI  
    • Anschluss an den PC über USB
    • Von uns getestetes Produkt: StreamEez-Pro (ca. 300 Euro)
  • Epiphan bietet diverse Input-Adapter an (extern und intern)
  • Vision Dimension bietet ebenfalls Input-Adapter an (extern und intern)
    • Eingang: HDMI, SDI, DVI, etc.  
    • Anschluss an den PC über USB
    • Von uns getestetes Produkt: HDMI2USB3 (Verarbeitung zweckmäßig, ca. 300 Euro)
    • Ein Treiber ist nach unserem Test NICHT notwendig! Die angeschlossene Kamera wurde am Mac als "Webcam" erkannt.
  • Mögliche Alternativen (nicht von uns getestet) gibt es vielfältig

Live-Encoder Software

"Flash Media Live Encoder" (von Adobe, für Windows und Mac) ist eine sehr einfach zu bedienende, kostenfreie Live-Encoder Software – jedoch etwas veraltet und wird von Adobe nicht mehr weiter entwickelt. Die Qualität ist gut, und das Bild kann in der Auflösung, Bildrate, etc. angepasst werden. Zudem kann in verschiedenen Auflösungen/Datenraten parallel übertragen werden.

"Wirecast" (von Telestream, für Windows und Mac) ist eine sehr gute Alternative zum "Flash Media Live Encoder". Die Software kostet 595 Dollar und kann zwischen angeschlossenen Kameras während des Livestreams umschalten. Zudem können vorproduzierte Videodateien, Trailer, Wartebildschirme, wie auch der Bildschirminhalt von Ihrem PC übertragen werden. Der Livestream lässt sich mit Grafiken, Titeln, Bauchbinden, etc. erweitern.
Ein weitere Vorteil von "Wirecast" ist die Auswahl von einem sehr schnellen "Low Latency" Encoder (x264). Normalerweise benötigt ein Live-Encoder 2-5 Sekunden um das eingehende Videobild als Stream zu versenden. Dies ist eine ganz normale Latenz, also ein zeitlicher Versatz, und dient einer optimierten Bildqualität. Der hier verfügbare Low-Latency Encoder verkürzt diese Zeit deutlich. Insbesondere wenn Sie einen Rückkanal benötigen (z.B. eine Videoverbindung zwischen zwei Veranstaltungsorten mit Rückfragen von einem Ort zum anderen), ist diese niedrige Latenz für eine flüssige Kommunikation sehr wichtig. 
www.telestream.net

"OBS" (Open Broadcaster Software) ist eine OpenSource Software (für Windows, Mac und Linux). Sie bietet fast alle wichtigen Funktionen von Wirecast, ist jedoch in der Bedienung gewöhnungsbedürftig. OBS wird sehr viel für die Übertragung von Spielen verwendet (Übertragung des Bildschirm mit dem Computerspiel, mit eingefügtem Spielerbild von der Webcam). www.obsproject.com

Weitere Live-Encoder die funktionieren, die wir aber nur bedingt empfehlen:

  • www.vidblaster.com
  • www.xsplit.com
  • www.vmix.com.au

Übertragung per Live-Encoder Hardware

Eine Live-Encoding Hardware leistet die Übertragung ohne PC und Software.

  • Die Konfiguration ist manchmal umständlicher – dafür arbeitet das Gerät aber später auf Knopfdruck: Start - Stopp
  • Eine Hardware ist möglicherweise robuster und weniger anfällig für Störungen als ein PC, jedoch im Fall eines Problems auch schwerer schnell zu ersetzen.
  • Die Leistungsfähigkeit bei den günstigen Live-Encodern ist nicht immer auf dem gleichem Niveau wie bei einem schnellen PC. Dies ist für ruhige Bildinhalte weniger relevant (Vorträge, etc.) – für schnelle Einzelbewegungen oder eine bewegte Kamera (z.B. Sportübertragung) spielt dies eine große Rolle. Hier verwischen oder verpixeln "langsame" Encoder schneller das Bild oder benötigen eine höhere Datenrate für die selben Ergebnisse.
  • Die Kosten liegen in der Rege zwischen 500 und 5000 Euro. Spezial-Encoder die im Broadcast-Bereich eingesetzt werden (TV-Studio) oder die z.B. 10 Streams parallel kodieren können, sind nochmals deutlich teurer.

Produkte und Hersteller Übersicht

  • Immer mehr unserer Kunden verwenden den "Monarch HD" (HDX) von Matrox. Dieser erzeugt eine sehr gute Encodingqualität für HD-Video bei relativ geringer Datenrate (auch bei bewegten Szenen).
  • Empfehlenswert ist auch der "TriCaster" von NewTek (Link). Ein TriCaster wird als eigenständiges Gerät als Videomischpult verwendet. Der TriCaster läuft dabei als Encoder ohne PC.
  • Empfehlen können wir auch Teradek für günstige Miniatur-Encoder mit eingebautem WiFi oder USB-Anschluss für eine UMTS-/LTE Antenne/Router.
  • Im Studio- und Broadcast-Bereich werden oft Encoder von Digital Rapids eingesetzt.
  • Ein weiterer Anbieter ist Teracue 
  • Eine interessante und innovative Lösung für LIVE-Streaming + Live-Mischer gesteuert per iPad finden Sie mit dem "Livewedge".
  • Der Hardware-Encoder Datavideo NVS-20 kann gerne verwendet werden. Bitte achten Sie jedoch auf die aktuelle Firmware (diese hat einen Fehler) und teilen Sie uns mit das Sie dieses Gerät verwenden. Wir können dann eine spezielle Konfiguration vornehmen die den Fehler umgeht.

Tipps:

  • Wenn sich ein Teradek Cube Hardware-Encoder nicht mit dem Streamingserver verbinden kann dann, stellen Sie bitte die Gerätekennung auf "FMLE 3...".
  • Wenn ein Crestron-Transmitter nicht über eine MPEGTS UDP Verbindung senden kann oder nur Datenmüll ankommt, stellen Sie den Transport-Mode bitte auf "MPEG2TSRTP".

Kamera Auswahl

Es kommt jede beliebige Kamera für Live-Streaming in Frage. Die Kamera muss das Videobild/-ton lediglich an einen PC oder Encoder übertragen können. Dies ist mind. per HDMI-Ausgang möglich.

Unsere Kunden verwenden eine sehr weite Auswahl von Kamera- und Übertragungstechnik. Vom Highend Studio-Equipment, über herkömmliche Camcorder (300 bis 20.000 Euro) und wieder andere nur eine Webcam oder Action-Cam. Je nach Einsatzzweck und Budget.

Generell begünstigen eine gute Ausleuchtung und hochwertige Kameras ein besseres Bild. Auch im nicht sichtbaren Bereich entsteht ein geringeres Bildrauschen – je geringer dieses ausfällt, je effizienter wird eine hochwertige Videokompression im Encoder unterstützt.

Grundlagen:

  • Alle bekannten Kamera-/Camcorder-Hersteller bieten gute Geräte an. Diese unterscheiden sich zwar in Funktionen und Leistung aus Sicht von Profis – wenn Sie aber gerade erst einsteigen bieten selbst die eher günstigen Geräte eine Qualität die vor 5 Jahren in dieser Preisklasse noch nicht denkbar war.
  • Bei der Geräteauswahl von maximal günstigen Camcordern können Sie sich daran orientieren welche Anschlüsse Sie benötigen: z.B. für Live-Übertragungen einen HDMI Ausgang der das Bild- und Tonsignal während der Aufnahme in 1080p HD ausgibt. Ggf. auch per USB vergleichbar einer Webcam.
    Und zwar ohne den Bildschirminhalt des Camcorder mit Informationen zum Akkustand, Aufnahmestatus, etc. 
  • Im professionellen Umfeld verwenden Sie SDI statt HDMI Verbindungen (Kabel)... 
    SDI ist relevant wenn auf Veranstaltungen das Signal der Kamera(s) weite Strecken übertragen werden soll. Zudem ist die Qualität der Farbauflösung nochmal besser als bei HDMI. Dies ist aber für einen Livestream normalerweise nicht relevant, da es hier um feinste Bildinformationen geht die im Live-Encoder ohnehin stärker komprimiert werden.
  • Für Aufnahmen in Räumen mit nicht optimaler Ausleuchtung kommen kleine Aufnahme-Chips in den Camcordern schnell an ihre Grenzen. Hier helfen Kameras mit Chip-Größen von 1 Zoll ("Vollformat") und führen zu deutlich weniger Bildrauschen. Bei DSLR/Camcordern achten Sie auf die Blende je nach benötigter Zoomstufe, etc.
  • Zusätzlich benötigen Sie unbedingt ein Stativ. Für feste Blickwinkel ohne Kamerabewegung reicht ein sehr günstiges (50 Euro). Wenn Sie die Kamera weich schwenken wollen, ohne das dies im Bild ruckt beim Anfahren (Anfang der Bewegung) und die Kamera an der Position an der Sie sie loslassen sich nicht nachträglich noch ein Stück zurück bewegt mit dem Bildausschnitt..., dann ist ein ölgelagerter Stativkopf sehr sinnvoll (gute Stative beginnen bei ca. 400 Euro).
  • Wenn Sie sich stärker in die Materie einarbeiten wollen und lieber einmal investieren, statt immer wieder neue hochwertigere Geräte nachzukaufen, gucken Sie bitte auch nach DSLR-Kameras. Beispielsweise die Panasonic GH5 oder von Sony die Alpha 6500 oder Alpha 7s II.

 

Alternative: Streaming- und IP-Kameras

Kameras mit eingebautem Encoder: siehe hier.