Grundlagen für Live-Streaming

Hier starten: in 3 einfachen Schritten

Der Standardablauf von Live-Streaming:

  1. Sie verfügen über ein Bild- und Audiosignal. Entweder von einer einzelnen Kamera, von einem Mischpult/Bildmischer oder aus sonstiger Quelle.
    - 85% unserer Kunden übertragen ihr Bild- und Audiosignal über einen PC in eine Live-Encoder Software (Windows, Mac, Linux).
     Der Live-Stream wird von dieser Software erzeugt und an den Streamingserver übertragen. Siehe unten.
    - 10% unserer Kunden verarbeiten das Bild- und Audiosignal in einem Hardware-Encoder. Dieser Encoder erzeugt den Stream und sendet ihn an den Streamingserver. Siehe unten.
    - 5% unserer Kunden verwenden IP-Kameras. Diese erzeugen den Live-Stream selbstständig (eingebauter Encoder) und stellen diesen für den Abruf vom Streamingserver zur Verfügung. 
    Siehe hier.
  2. Der gebuchte Streamingserver empfängt den Stream und stellt diesen ihren Zuschauern zur Verfügung.
  3. Auf Ihrer Internetseite wird unser Player eingefügt und der Live-Stream wird für die Besucher Ihrer Webseite live abgespielt. Auf Wunsch können Sie auch einen eigenen Player verwenden.

 

Das Live-Video muss im ersten Schritt von Ihrer Kamera (...) in den Live-Encoder. Sie finden im folgenden einen Absatz zu Live-Encoder-Software und Live-Encoder-Hardware.

Live-Encoder Software (Windows, Mac)

"Flash Media Live Encoder" (von Adobe, für Windows und Mac) ist eine sehr empfehlenswerte, kostenfreie Live-Encoder Software. Die Qualität ist sehr gut, und das Bild kann in der Auflösung, Bildrate, etc. angepasst werden.

"Wirecast" (von Telestream, für Windows und Mac) ist eine sehr gute Alternative zum "Flash Media Live Encoder". Die Software kostet 495 Dollar und kann zwischen angeschlossenen Kameras während des Livestreams umschalten. Zudem können vorproduzierte Videodateien, Trailer, Wartebildschirme, wie auch der Desktop/Bildschirm von Ihrem PC übertragen werden. Der Livestream lässt sich mit Grafiken, Titeln, Bauchbinden, etc. erweitern.
Ein weitere Vorteil von "Wirecast" ist die Auswahl von einem sehr schnellen "Low Latency" Encoder (x264). Normalerweise benötigt ein Live-Encoder 2-5 Sekunden um das eingehende Videobild als Stream zu versenden. Dies ist eine ganz normale Latenz, also ein zeitlicher Versatz, und dient einer optimierten Bildqualität. Dieser Low-Latency Encoder verkürzt diese Zeit deutlich. Insbesondere wenn Sie einen Rückkanal benötigen (z.B. eine Videoverbindung zwischen zwei Veranstaltungsorten mit Rückfragen von einem Ort zum anderen), ist diese niedrige Latenz für eine flüssige Kommunikation sehr wichtig.

"OBS" (Open Broadcaster Software) ist eine OpenSource Software (für Windows, Mac und Linux). Sie bietet fast alle wichtigen Funktionen von Wirecast, ist jedoch in der Bedienung gewöhnungsbedürftig. OBS wird sehr viel für die Übertragung von Spielen verwendet (Übertragung des Bildschirm mit dem Computerspiel, mit eingefügtem Spielerbild von der Webcam). Die Software ist in der Windows-Version ausgereift und leistungsfähig. Unter Mac funktioniert sie nach unseren Tests gut, ist aber noch in der Entwicklung (www.obsproject.com).

Weitere Live-Encoder die funktionieren, die wir aber nur bedingt empfehlen:

  • www.vidblaster.com
  • www.xsplit.com
  • www.vmix.com.au

Kamera-Anschluss an einen PC (Win, Mac, Linux)

Bild- und Audiosignale werden heute meistens per HDMI oder SDI übertragen. (SDI bietet höhere unkomprimierte Qualität und kommt im professionellen Bereich zum Einsatz).

Wichtig ist die Frage: wie kommt das HDMI oder SDI Signal in den PC? Ein PC hat zwar einen Ausgang für den Monitor (HDMI, DVI, DP, ...), aber keinen Eingang für Videosignale hierfür.

  • Viele unserer Kunden nutzen Geräte von "Black Magic"
    • Intensity Pro - HDMI Inputkarte (ca. 180 Euro)
    • Intensity Shuttle - Externe Inputbox für HDMI-, S-Video-, Composite-, Audio-Eingänge (USB 3.0 Version Amazon Link, Thunderbolt Version Amazon Link, ca. 200 Euro)
    • Informationen vom Hersteller
    • Nach unserer Erfahrung ist die Qualität sehr gut. Jedoch ist die Handhabung etwas umständlich, da die Auflösung, Framerate, Farbprofil, etc. von der angeschlossenen Kamera erst am PC eingestellt werden muss.
      Die unten folgenden Geräte von Epiphan und Vision Dimension nehmen diese Einstellungen automatisch vor und werden im PC als "Webcam" behandelt. Dies macht den Umgang einfacher.
  • Hauppauge stellt mit dem "StreamEez-Pro" eine interessante Mischung aus PC-Anschluss und eigenständigem Hardware-Encoder bereit. Ein PC ist für den Betrieb notwendig (anders als bei Hardware-Encodern), dennoch werden die Encoding-Berechnungen von der externen Box übernommen.
    • Eingang: HDMI  
    • Anschluss an den PC über USB
    • Von uns getestetes Produkt: StreamEez-Pro (ca. 300 Euro)
  • Epiphan bietet diverse Input-Adapter an (extern und intern)
  • Vision Dimension bietet ebenfalls Input-Adapter an (extern und intern)
    • Eingang: HDMI, SDI, DVI, etc.  
    • Anschluss an den PC über USB
    • Von uns getestetes Produkt: HDMI2USB3 (Verarbeitung zweckmäßig, ca. 300 Euro)
    • Ein Treiber ist nach unserem Test NICHT notwendig! Die angeschlossene Kamera wurde am Mac als "Webcam" erkannt.
  • Mögliche Alternativen (nicht von uns getestet) gibt es vielfältig

Übertragung per Live-Encoder Hardware

Eine Live-Encoding Hardware leistet die Übertragung ohne PC und Software.

  • Die Konfiguration ist manchmal umständlicher – dafür arbeitet das Gerät aber später auf Knopfdruck: Start - Stopp
  • Eine Hardware ist möglicherweise robuster und weniger anfällig für Störungen als ein PC, jedoch im Fall eines Problems auch schwerer schnell zu ersetzen.
  • Die Leistungsfähigkeit bei den günstigen Live-Encodern ist nicht immer auf dem gleichem Niveau wie bei einem schnellen PC. Dies ist für ruhige Bildinhalte weniger relevant (Vorträge, etc.) – für schnelle Einzelbewegungen oder eine bewegte Kamera (z.B. Sportübertragung) spielt dies eine große Rolle. Hier verwischen oder verpixeln "langsame" Encoder schneller das Bild oder benötigen eine höhere Datenrate für die selben Ergebnisse.
  • Die Kosten liegen in der Rege zwischen 500 und 5000 Euro. Spezial-Encoder die im Broadcast-Bereich eingesetzt werden (TV-Studio) oder die z.B. 10 Streams parallel kodieren können, sind nochmals deutlich teurer.

Produkte und Hersteller Übersicht

  • Immer mehr unserer Kunden verwenden den "Monarch HD" (HDX) von Matrox. Dieser erzeugt eine sehr gute Encodingqualität für HD-Video bei relativ geringer Datenrate (auch bei bewegten Szenen).
  • Empfehlenswert ist auch der "TriCaster" von NewTek (Link). Ein TriCaster wird als eigenständiges Gerät als Videomischpult verwendet. Der TriCaster läuft dabei als Encoder ohne PC.
  • Empfehlen können wir auch Teradek für günstige Miniatur-Encoder mit eingebautem WiFi oder USB-Anschluss für eine UMTS-/LTE Antenne/Router.
  • Im Studio- und Broadcast-Bereich werden oft Encoder von Digital Rapids eingesetzt.
  • Ein weiterer Anbieter ist Teracue 
  • Eine interessante und innovative Lösung für LIVE-Streaming + Live-Mischer gesteuert per iPad finden Sie mit dem "Livewedge".
  • Der Hardware-Encoder Datavideo NVS-20 kann gerne verwendet werden. Bitte achten Sie jedoch auf die aktuelle Firmware (diese hat einen Fehler) und teilen Sie uns mit das Sie dieses Gerät verwenden. Wir können dann eine spezielle Konfiguration vornehmen die den Fehler umgeht.

Tipps:

  • Wenn sich ein Teradek Cube Hardware-Encoder nicht mit dem Streamingserver verbinden kann dann, stellen Sie bitte die Gerätekennung auf "FMLE 3...".
  • Wenn ein Crestron-Transmitter nicht über eine MPEGTS UDP Verbindung senden kann oder nur Datenmüll ankommt, stellen Sie den Transport-Mode bitte auf "MPEG2TSRTP".

Kamera Auswahl

Es kommt jede beliebige Kamera für Live-Streaming in Frage. Die Kamera muss das Videobild/-ton lediglich an einen PC oder Encoder übertragen können. Dies ist mind. per HDMI-Ausgang möglich.

Unsere Kunden verwenden eine sehr weite Auswahl von Kamera- und Übertragungstechnik. Vom Highend Studio-Equipment, über herkömmliche Camcorder (300 bis 20.000 Euro) und wieder andere nur eine Webcam oder Action-Cam. Je nach Einsatzzweck und Budget.

Generell begünstigen eine gute Ausleuchtung und hochwertige Kameras ein besseres Bild. Auch im nicht sichtbaren Bereich entsteht ein geringeres Bildrauschen – je geringer dieses ausfällt, je effizienter wird eine hochwertige Videokompression im Encoder unterstützt.

Ein paar Tipps:

  • Alle bekannten Kamera-/Camcorder-Hersteller bieten gute Geräte an.
  • Grundsätzlich können Sie sich bei der Geräteauswahl daran orientieren welche Anschlüsse Sie benötigen: z.B. für Live-Übertragungen einen HDMI Ausgang der das Bild- und Tonsignal während der Aufnahme ausgibt. Dies dürfte bei Camcordern ab 400 Euro grundsätzlich der Fall sein.
  • Im professionellen Umfeld verwenden Sie SDI statt HDMI... aber dann benötigen Sie keinen Tipp von uns ;)
  • Für Aufnahmen in Räumen mit nicht optimal heller Ausleuchtung kommen kleine Aufnahme-Chips in den Camcordern schnell an ihre Grenzen. Hier helfen Kameras mit 1" Chip-Größe (1 Zoll) und führen zu deutlich weniger Bildrauschen.
  • Zusätzlich benötigen Sie unbedingt ein Stativ. Für feste Blickwinkel ohne Schwenks reicht ein sehr günstiges (50 Euro). Wenn Sie die Kamera weich schwenken wollen, ohne das dies im Bild ruckt beim Anfahren (Anfang der Bewegung) und die Kamera an der Position an der Sie sie loslassen sich nicht nachträglich noch ein Stück zurück bewegt mit dem Bildausschnitt..., dann ist ein ölgelagerter Stativkopf sehr sinnvoll (gute Stative ab ca. 400 Euro).

Wir können momentan zwei Kameramodelle besonders empfehlen. Weniger weil Sie beide von Sony kommen, als vielmehr weil es wirklich gute Kamera sind.

Zum einen die eher günstigen (500 Euro) Sony-Kameras mit "Balanced Optical SteadyShot". Diese mechanische + elektronische Bildentwackelung ist so extrem gut, das die Kamera bei Bedarf per Hand geführt werden kann und das Bild macht den Eindruck als wäre eine gute Steadycam verwendet worden. Das Bild bewegt sich trotz Handführung extrem ruhig (Link).

Zum anderen bietet Sony einen Camcorder mit hervorragend lichtstarkem 1" Chip an: Sony HDR-CX900. Hier kann das HD (statt 4K) Modell verwendet werden - für Livestreaming liegt 4K noch weit in der Zukunft der alltäglichen Anwendung, auch wenn es technisch schon möglich ist. Die Kamera hat ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis und kann auch gehobenen Ansprüchen genügen (Link).

Alternative: Streaming- und IP-Kameras

Kameras mit eingebautem Encoder: siehe hier.